in residence: Claire Astier

Wir freuen uns euch unsere derzeitige Residentin vorzustellen: die in Marseille lebende Kuratorin und Aktivistin Claire Astier. Während der Residency wird sie zusammen mit der Künstlerin Ahram Lee in Austausch mit lokalen Künstler*innen, Aktivist*innen und Kollektiven treten.

Claire Astier hat einen Abschluss in Soziologie und politischer Anthropologie und begann 2008 in der zeitgenössischen Kunst zu arbeiten. Sie koordinierte Le Cartel, ein Netzwerk von Kunstorganisationen, das für die Friche la Belle de Mai in Marseille und die Umsetzung des Programms für visuelle Kunst in grenzüberschreitenden italienisch-französischen Projekten und VIAPAC verantwortlich ist, bevor sie sich an der École du Magasin (Grenoble, Frankreich) für Jura einschrieb. Sie gründete Vertical Looping (star), um ortsspezifische Kunstprojekte mit Künstler*innen und Kollektiven (Le Bureau des dépositions, Megane Brauer, Elvia Teotski et Jérémy Laffon, Maria Hupfield…) in Nicht-Kunsträumen zu unterstützen und neue Räume der Reflexion zu schaffen. Sie schreibt als Kunstkritikerin über Performance und zeitgenössische Kunst und organisiert wöchentlich kollektive Sitzungen, um ihr Wissen über Kunst und Recht zu teilen und neue positive Strategien zu entwickeln. Claire Astier arbeitete als Aktivistin zwei Jahre (2018–2020) in einem besetzten Haus in Marseille, das mit und für Obdachlose eröffnet wurde. Dadurch kam sie auch mit der Geschichte von Migrant*innen im kulturellen Bereich in Berührung. Zusammen mit Sekou Fofana arbeitete sie daraufhin daran, faire Arbeitsbedingungen zwischen Menschen ohne Papiere und der Manifesta Biennale (2020) zu schaffen, wie über die Anerkennung des Aufenthaltsstatus der Autor*innen und die Vergütung von Urheberrechten.

Mégane Brauer: Déjà Vierge, Installationsansicht, unterstützt durch Vertical Looping (star) mit Claire Astier,
Église de Tour Sainte, Marseille, 2020, Photo: © Clara Sfadj

Ahram Lee konstruiert ihr Oeuvre rigoros, indem sie ein reduziertes formales Vokabular entwickelt. Die verschiedenen Materialien, die sie verwendet (Objekte, Glasscherben, Papierfetzen…), werden in den Dienst von minimalen Konzepten und Experimenten gestellt. Mehr als Techniken im engeren Sinne könnte man also sagen, dass es vor allem die Zeit, die Sprache, der Zufall, der Atem, der Irrtum und die unsichtbaren Kräfte sind, die diese auf ihre unmittelbare Umgebung reagierende Kunst konstruieren. Es geht der Künstlerin darum, in den Schichten des Unendlichen zu arbeiten, im Hinblick auf das “kaum Sichtbare” zu agieren. Dabei spielt sie mit diskreter Mechanik, die diesen Arbeiten wesentliche Formen verleiht. In diesem Wunsch, mit wenig zu schaffen, ist “Posing” Ahram Lees wichtigste Geste, “weniger als Ziel, mehr als Prinzip der Konstruktion und Installation, wie eine Art, Dinge zu tun, und eine Art, zu sein.” (Originaltext: Guillaume Mansart)

Ahram Lee

English:

We are pleased to introduce our current resident: Marseille-based curator and activist Claire Astier. During the residency, she will be in dialogue with local artists, activists and collectives, together with artist Ahram Lee.

Claire Astier holds a degree in sociology and political anthropology and started working in contemporary art in 2008. She coordinated Le Cartel, a network of arts organisations responsible for the Friche la Belle de Mai in Marseille and the implementation of the visual arts programme in cross-border Italian-French projects and VIAPAC, before enrolling at the École du Magasin (Grenoble, France). She founded Vertical Looping (star) to support site-specific art projects with artists:inside and collectives (Le Bureau des dépositions, Megane Brauer, Elvia Teotski et Jérémy Laffon, Maria Hupfield…) in non-art spaces and to create new spaces of reflection. She writes as an art critic on performance and contemporary art and organises weekly collective sessions to share her knowledge on art and law and to develop new positive strategies. Claire Astier worked as an activist for two years (2018-2020) in a squat in Marseille opened with and for homeless people. This also brought her into contact with the stories of migrants in the cultural field. Together with Sekou Fofana, she then worked to create fair working conditions between undocumented people and the Manifesta Biennale (2020), through the recognition of authors’ residency status and the remuneration of copyrights.

Ahram Lee rigorously constructs her oeuvre by developing a spare formal vocabulary. The different materials she uses (objects, bits of glass, scraps of paper…) are put at the service of minimum concepts and experiments. So, more than techniques in the strict sense of the term, we might say that it is first of all time, language, chance, breath, error and invisible forces that construct this art, which is sensitive to its immediate environment. What is involved for the artist is working in the layers of the infinitesimal, acting with regard to the “barely visible”. In so doing, she plays with discrete mechanics which lend these works essential forms. In this desire to create with little, “Posing” is Ahram Lee’s main gesture, “less as a goal, more as a principle of construction and installation, like a way of doing things, and a way of being.” (Text: Guillaume Mansart)