Release FLORIDA Magazin #7: SORGE

Sonntag, 19. Dezember, 16 – 19 Uhr
Come and Collect + Online-Release

Kommt vorbei, holt euch die neue Ausgabe (for free) und ein Care-Paket der Künstlerin Paula Erstmann.
Außerdem könnt ihr am Release live und online über das extra von der Künstlerin Atefa Omar gestaltete Gathertown teilnehmen, mit eurem Avatar rumlaufen, mit uns sprechen und die Magazin-Beiträge entdecken. Hier der Link:
https://release.floridalothringer13.org

MIT BEITRÄGEN VON: Aiko Okamoto, @nnast_antn, Abeer Farhoud, Afrodiaspora 2.0// e.V., Claire Astier, Clara Laila Abid Alsstar, Constanza Meléndez, Désirée Opela, Flaka Haliti, Magdalena Emmerig, Lara Scherrieble, Liane Klingler, Lisa Jeschke, Patrycja Kowalska, Rafiou Bayor, Tunay Önder, Sara Stankovic, Paula Pongratz, Cordula Schieri, Levin Mayerhofer, Sabrina Schray, Paula Kohlmann.

EDITORIAL: Mako Sangmongkhon, Beowulf Tomek, Maria VMier. GESTALTUNG: Maria VMier. COVER ILLUSTRATION: @nnast_antn. GESTALTUNG ONLINE RELEASE: Atefa Omar. ÜBERSETZUNGEN: Gegensatz Translation Collective; Ben Caton (Editorial), Liane Klingler (Spende). LEKTORAT: Beowulf Tomek. SCHRIFTEN: CMRDD (Paul Bernhard), Anthony (Sun Young Oh), Sukhumvit Set (Anuthin Wongsunkakon) Sorge (Maria VMier). AUFLAGE: 170

Seit Anfang 2021 arbeiten wir an dem FLORIDA Magazin #7 mit dem Titel “Sorge”. Sorge verstanden in all seinen Bedeutungen als gegenseitige Fürsorge, als meist unbezahlte oder nicht angemessen gewürdigte Sorgearbeit und als der jetzige nicht enden wollende Dauer-Zustand der Erschöpfung und Angst. Dabei bezieht sich der Titel weniger auf den Inhalt der Publikation als auf den Hintergrund ihrer Entstehung:

Nachdem wir im Oktober 2020 für die Ausstellung At the borderlines of belonging // Grenzlinien des Daseins von AfroDiaspora 2.0 gerade so die neueste Version eines Hygienekonzeptes verstehen und umsetzen konnten, musste das FLORIDA im November schon wieder die Türen für die Öffentlichkeit schließen. Und um ehrlich zu sein: Nein, wir als Komitee waren nicht begeistert, komplett auf digitale Formate umzuschwenken und dabei groß kreativ zu werden — vor allem, da es von städtischer Seite auch nicht mehr Programmmittel hierfür geben sollte. Und für uns kam es auch nicht in Frage, Künstler*innenhonorare und Mittel für Beiträge zu kürzen. Im Gegenteil: Um der prekären Situation für freiberufliche Künstler*innen und Kulturschaffende entgegenzuwirken, empfanden wir es als angemessen, eine eh schon lange fällige Erhöhung der Künstler*innenhonorare in unserer Mini-Institution vorzunehmen.

Da wir aber irgendwie trotzdem Programm machen müssen (haha), zwar eingeschränkt, aber… ah warte… die Verbindung stockt, das Bildschirmfenster ruckelt oder ruckeln wir… ? Die Unterhaltung wird kurz unterbrochen; was wurde zuletzt gesagt oder gehört? Für uns als Komitee gab es schon kreativere Momente.

Es erscheint uns auch nach wie vor sehr schwer bis unmöglich, digital einen entspannten Raum mit lockeren Gesprächen und hitzigen Diskussionen zu ermöglichen. Die Gespräche nach einem Vortrag laufen einfach nicht so smooth, wie wir sie sonst vielleicht aus dem Hinterhof vorm FLORIDA so kennen und die Runde ist auch kleiner als sonst, sofern sich überhaupt noch Leute nach acht Stunden digitalem Arbeitstag dazuschalten. Und es fällt nicht jedem Menschen leicht, einfach so in eine digitale Unterhaltung einzusteigen.

Aber dann versuchen wir lieber, den digitalen Raum für ein persönliches Miteinander so kuschelig wie möglich zu gestalten, als gar keinen Raum des Austausches zu haben. Deshalb experimentierten wir mit der Idee eines digitalen Care-Formats. Dazu luden wir zu drei Terminen jeweils vier Teilnehmende ein, um sich kennenzulernen und sich mit uns über gemeinsame Strategien im Umgang mit den fortdauernden Ungewissheiten und Bedrohungen auszutauschen und schickten ihnen im Vorfeld ein analoges Care-Paket. Eingeladen waren Künstler*innen und Aktivist*innen, die sich in verschiedener Weise mit der Frage auseinandersetzen, wie sie Räume und Bedingungen schaffen können, die anderen helfen, sich wohlzufühlen. Dies wiederum wollten wir auch unseren Gäst*innen Lisa Jeschke, Paula Kohlmann, Clara Laila Abid Alsstar, Dede Opela, Aiko Okamoto, Donika Gawaz, Liane Klingler, Patrycja Kowalska, Magdalena Emmerig, Sara Stankovic, Sisilia Akello-Okello und Tunay Önder ermöglichen: Einen fürsorglichen Raum, in dem (bestenfalls) nicht über Arbeit gesprochen wird. Danke nochmal von unserer Seite für eure Zeit und eure Gedanken und auch an unseren Kartenwizard Jan Erbelding — es waren sehr schöne Treffen mit euch!

Gleichzeitig wollten wir die ungenutzten und für die Öffentlichkeit unzugänglichen physischen Räumlichkeiten des FLORIDA so gut wie möglich weiter nutzen und beschlossen daher, unser Residency- Format über die Winter- und Lockdownmonate fortzuführen, um auch weiterhin unsere räumlichen und finanziellen Ressourcen teilen zu können. Da wir aus eigener Erfahrung wissen, dass Residency- Programme oft in einer Form konzipiert sind, die weniger für die eingeladenen Resident*innen da sind, sondern eher die Außenwirkung der Institution im Vordergrund steht, wollten wir dieses Verhältnis neu denken. In Austausch mit den Residentinnen @nnast_antn, Abeer Farhoud sowie Claire Astier und Ahram Lee haben wir deshalb versucht, die grundlegenden Parameter Zeit/Geld/Raum/Öffentlichkeit an den Bedarf der jeweiligen Künstlerin anzupassen, um sie und ihre Arbeit bestmöglich unterstützen und daraus für zukünftige Projekte und uns als Institutionsarbeiter*innen lernen zu können.

Es ist uns ein Anliegen, Stimmen von außerhalb Münchens mit lokalen Akteur*innen zu verbinden und neue Netzwerke der gegenseitigen Sorge zu erkunden. Aus diesen Formaten entwickelten sich die Beiträge für diese Ausgabe des FLORIDA Magazins. Neben den oben genannten künstlerischen und aktivistischen Positionen finden sich im FLORIDA Magazin #7 Beiträge von Lara Scherrieble, Levin Mayerhofer, Cordula Schieri, Constanza Meléndez, Rafiou Bayor, Sabrina Schray, Flaka Haliti, und Paula Pongratz, dessen Release wir jetzt Ende 2021 IRL und online mit euch feiern wollen. Yaaaaaaaay 🙂

Mako Maria Beo


English:

Sunday, December 19, 4 – 7 p.m.
Come and Collect + Online Release

Come by, pick up the new issue (for free) and a care package from artist Paula Erstmann.
You can also participate in the release live and online via the specially designed Gathertown by artist Atefa Omar, walk around with your avatar, talk to us and discover the magazine articles. Here is the link:
https://release.floridalothringer13.org

CONTRIBUTIONS BY: Aiko Okamoto, @nnast_antn, Abeer Farhoud, Afrodiaspora 2.0// e.V., Claire Astier, Clara Laila Abid Alsstar, Constanza Meléndez, Désirée Opela, Flaka Haliti, Magdalena Emmerig, Lara Scherrieble, Liane Klingler, Lisa Jeschke, Patrycja Kowalska, Rafiou Bayor, Tunay Önder, Sara Stankovic, Paula Pongratz, Cordula Schieri, Levin Mayerhofer, Sabrina Schray, Paula Kohlmann.

EDITORIAL: Mako Sangmongkhon, Beowulf Tomek, Maria VMier. DESIGN: Maria VMier. COVER ILLUSTRATION: @nnast_antn. DESIGN ONLINE RELEASE: Atefa Omar. TRANSLATION: Gegensatz Translation Collective; Ben Caton (Editorial), Liane Klingler (Spende). PROOFREADING: Beowulf Tomek. FONTS: CMRDD (Paul Bernhard), Anthony (Sun Young Oh), Sukhumvit Set (Anuthin Wongsunkakon) Sorge (Maria VMier). PRINT RUN: 170

Since the beginning of 2021 we have been working on FLORIDA Magazine #7 with the title “Sorge” (engl: care or worry). Care in all its meanings, as mutual support, as mostly unpaid or not adequately appreciated care work, and also as a now seemingly permanent state of exhaustion and anxiety. The title refers less to the content of the publication than to the background of its creation:

After successfully getting to grips with and implementing the latest hygiene rules for AfroDiaspora 2.0’s exhibition At the borderlines of belonging // Grenzlinien des Daseins, FLORIDA was once again forced to shut its doors to the public in November. And to be honest, no, we as a committee weren’t all that enthusiastic about the prospect of completely switching to digital formats, and of getting creative with the process — above all since we weren’t going to receive any extra funds for our program from the city. Cutting our artists’ fees and funding for contributions was also out of the question for us; on the contrary, given the precarious situation currently faced by freelance artists and cultural producers, we thought it was about time we made a long-overdue increase to the fees our mini-institution awards to artists.

Since we still had to come up with some sort of program, though, reduced maybe, but… oh, wait… the connection’s lagging, the screen is stuttering or is it maybe us… ? The conversation is briefly interrupted; what was it that was said or heard? We’ve had more creative moments as a committee.

It also seems to us, as it always did, that it’s difficult to impossible to create a relaxed space for casual conversation and heated discussion digitally. The conversations following a talk simply don’t run as smoothly as we’re used to, standing in the courtyard outside FLORIDA, and the groups are also smaller, assuming anyone at all still has the energy to patch themselves in after an eight-hour working day spent online. And not everyone finds it easy to enter into a digital conversation just like that.

But we’d rather try to make the digital space for personal interaction as cozy as possible than have no room at all for exchange, and so we’re currently experimenting with the idea of a digital care format. We arranged three events, with four participants invited to each, to give them an opportunity to get to know each other and talk with us about shared strategies for dealing with the ongoing uncertainties and threats we face; each of them was also sent an analog care packet in advance. Those invited to participate are all artists and activists, and all engage in various ways with the question of how to create spaces and conditions that help others to feel comfortable. We in turn wanted to do the same for our guests, Lisa Jeschke, Paula Kohlmann, Clara Laila Abid Alsstar, Aiko Okamoto, Dede Opela, Donika Gawaz, Liane Klingler, Patrycja Kowalska, Magdalena Emmerig, Sara Stankovic, Sisilia Akello-Okello, and Tunay Önder — to create a caring space for speaking (ideally) about things other than work. Many thanks from our side for your time and your thoughts, and to our Card Wizard Jan Erbelding — our meetings with you all were fantastic!

At the same time, we wanted to continue using Florida’s physical space as usefully as possible while it’s closed to the public, and so we decided to proceed with our residency program throughout winter and the months of lockdown, in order to continue sharing our spatial and financial resources. Since we know from experience that residency programs are often conceived in a form that has less to do with the invited participant than with the public image of the institution, we wanted to rethink this relationship. And so in consultation with our residents @nnast_antn, Abeer Farhoud, Claire Astier, and Ahram Lee, we attempted to adapt the basic parameters of time/money/space/ publicity to the needs of each individual artist. In doing so, we hoped to support them and their work as well as possible, and to take lessons from this, both for future projects and for ourselves as institutional workers.

It’s important to us that we connect voices from outside Munich with local actors, and to explore new networks of mutual support. It was out of these formats that the contributions to this issue of FLORIDA were developed. In addition to the artistic and activist positions mentioned above, FLORIDA Magazin #7 includes contributions from Rafiou Bayor, Constanza Meléndez, Cordula Schieri, Flaka Haliti, Lara Scherrieble, Levin Mayerhofer, Sabrina Schray and Paula Pongratz. We hope to celebrate its release with you IRL and online now at the end of 2021. Yaaaaaaaay 🙂

Mako Maria Beo