Schwein und Zeit. Tiere, Politik, Revolte – Fahim Amir

Schwein und Zeit. Tiere, Politik, Revolte – Buchpräsentation mit Fahim Amir
Montag, 28. Januar 2019, 19 Uhr
“Nur ein Verrückter würde behaupten, Tiere seien politisch. Dieser Verrückte bin ich.”
“Bei Tieren wird die Linke rechts”, postuliert Fahim Amir und holt zum Gegenschlag aus.
Kritik an Umweltzerstörung oder industrieller Tierhaltung basiert meist auf konservativen
Ideen einer “unberührten Natur” oder auf der ökokapitalistischen Sorge um nachhaltiges
Ressourcenmanagement.
Gegen die Romantisierung der Natur setzt Amir Politik statt Ethik. Statt Tiere
kulturpessimistisch zu bloßen Opfern zu erklären, wird ihre Geschichte aus einer
Perspektive der Kämpfe erzählt: Wie renitente Schweine maßgeblich die Entwicklung der
modernen Fabrik bestimmt haben. Wie unbeherrschte Ansammlungen von Menschen und
Tieren sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts der Zähmung New Yorks widersetzten. Wie
Singvögel in der Stadt sich dank hoher Östrogenspiegel im Abwasser dopen und das Nikotin
von Zigarettenstummeln zur Parasitenabwehr in ihren Nestern nutzen. Die Geschichte
malariöser Moskitos und der Versuche ihrer Bekämpfung wirft ein stroboskophaftes Licht auf
neokoloniale Beziehungen zwischen medizinischen und politischen Fieberschüben.
Es gibt kein Zurück in die vermeintlich reine Natur – neue urbane Ökologien sind jedoch eine
Chance für neue Konzepte des Miteinanders und Gegeneinanders. Nicht um moralische
Selbsterhöhung oder marktförmige Imaginationen gesellschaftlicher Reform durch korrekten
Konsum geht es hier, sondern um utopische Momente, die die Gegenwart zum Stottern
bringen.
Karl-Marx-Preis 2018 / Edition Nautilus